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Die Microsoft Boykottkampagne - Auf Deutsch

Vorhergehende WocheArchives Mar. 15, 1999.

Ein Floß der Windowprogrammfehler; ProbeRegelung Gespräche; Büro für Linux; Vorsitzender Gates geht nach China, Microsofts E-Handel-KaufenSpree

In einem Hinweis an die Benutzer, hat Microsoft die existens eines neuen Fehlers in Windows 95 und 98 bestätigt, der verursacht, daß sich diese Systeme nach 49.7 Tagen Dauereinsatz aufhängen. Das Problem wird durch eine Uhr (Timer) hervorgerufen, die nach einer bestimmten Sekundenanzahl überläuft und das System dadurch anhält. Microsoft hat eine Bereinigung des Fehlers veröffentlich, die jedoch nicht vollständig getestet worden sei. Der Bugfix sollte daher nur von Benutzern installiert werden, die durch den Fehler beeinträchtigt würden. Es ist allerdings eh unwahrscheinlich, daß es irgendjemand ausserhalb eines Testlabors schaffte Windows 9X länger als drei Tage laufen zu lassen, ohne einen Reboot durchführen zu müssen.

Weniger als eine Woche später hat der Präsident von Phar Lap Software Richard Smith der New York Times erzählt, daß Microsoft eine Datenbank von Windows 98 Nutzern unterhält. Nach Smiths Angaben produziert der Registration Wizard (Regwiz), ein ActiveX Control unter Windows 98 das dazu dient die Produkt Registrierung durchzuführen, eine einzigartige 32-stellige Identifikationsnummer für jeden einzelnen Computer. Diese Nummer ist basiert auf der MAC Adresse einer Ethernetnetzwerkkarte oder einer zufällig generierten Nummer die dem Modem des Rechners entsprechen soll. Hinzu kommen einige weitere Zahlen, die Informationen über Hardwarekomponenten enthalten. Das Registrierungsprogramm sendet daraufhin diese Nummer, den Kundenname, die Adresse, und auch die Telefonnummer zu Microsoft nachdem diese in der Windows Registry eingetragen wurde.
Microsoft verteidigte diesen Einbruch in die Privatsphäre mit der Bemerkung, daß es als Option gedacht war, die es dem Kundensupport erlauben sollte die Diagnose von Problemen genauer durchzuführen. Ein Sprecher bestand darauf, dieses "Feature" wäre niemals dazu gedacht gewesen als Werkzeug für die Marketingabteilung zu dienen, oder Softwarepiraterie zu verhindern. Er versprach ausserdem, daß Ingenieure der Firma die Zentraldatenbank durcharbeiten und jede unbefugte Information darin löschen würden. Er gab auch an, daß eine Überarbeitung des Regwiz (Registration Wizard) Teil des Windows 98 Service Pack 1 ist, und daß das Programm komplett aus Windows 2000 entfernt würde.
Doch die Benutzung der ID Nummer geht offenbar über die Microsoft Datenbank hinaus. Die Nummer wird offensichtlich auch von Microsoft Office benutzt um Dokumente zu markieren. Smith sagte, daß er den gleichen Identifikationscode in Dokumenten entdeckte, die von Excel, Word und Powerpoint stammen. Nach weiterem Nachforschen fand Phar Lap Software die Nummern auch in den Browser "Cookies" (diese Cookies gab es vorher auch schon; Anm. d. Übers.) die vom Internet Explorer und von Netscape Communicator erzeugt werden. Dies bedeutet, daß es für jemanden daher möglich ist das Internet Nutzungsprofil zu durchleuchten, oder in Erfahrung zu bringen welche Dateien von jemandem stammen oder auch welche Hardware dazu benutzt wurde. Dies könnte dann wieder mit dem Namen der betroffenen Person verknüpft werden. Smith sagte er beabsichtige die ID Nummern weiter zu untersuchen, besonders um herauszufinden ob diese in EMails auftauchen, oder ob andere Softwarehersteller sie erzeugen.
Wie auch immer, Microsoft's Vizepräsident des Officebereichs Steven Sinofsky spielte die möglichen Risiken für den Angriff auf die Privatsphäre herunter: "Ich würde sagen, die meisten Leute wissen nicht einmal genau wie Computer funktionieren, und daher sind sie skeptisch was Computer im Allgemeinen angeht. Das ist wahrscheinlich der Grund warum eine Menge dieser Probleme im Zusammenhang mit der Privatsphäre aufkommen."

Später noch in der gleichen Woche wurde noch ein weiteres Windows Problem entdeckt. Dieser Bug, von dem NT4 und die beiden Windows 2000 Betas betroffen sind, erlaubt es jemandem der an einem Server sitzt, die Rechte zu manipulieren so das er zum Administrator wird, wenn auf dem Rechner gerade ein Bildschirmschoner läuft. Wenn es jemandem gelingt Zugriff als Administrator zu bekommen, so kann dieser auf jede Datei auf dem Server zugreifen oder andere Nutzer davon abhalten das Netzwerk zu benutzen. Microsoft sagte das Sicherheitsloch wäre keine schlimme Angelegenheit und würde um es auszunutzen eine Menge Können vorraussetzten. Es wären auch nur Server betroffen, die sowieso normalerweise nur in Räumen aufgestellt wären wo Administratoren zutritt hätten. Der Manager der Produktsicherheit Scott Culp sagte, die letze Version von Windows 2000 (immer noch 11 Monate weit weg, und steigend) werde das Sicherheitsloch beseitigen.

Doch keine Panik: Microsoft hat bereits ein fünftes Service Pack für NT4 in der Entwicklung. NT4 Service Pack 5 wird einen Jahr 2000 Bugfix enthalten, sowie Patches für das NT Einwählnetzwerk Werkzeug und einige Installationsroutinen. Der Jahr 2000 Patch wird separat Online zur verfügung gestellt werden "kurz nach" der Freigabe des SP5, die im Juli erwartet wird. Kein Wort darüber ob die Beseitigung des obigen Fehlers auch enthalten seien wird.

Weniger als eine Woche nachdem der Microsoft Prozeß in seine 6 wöchige Pause gegangen war, sind Gerüchte an die Oberfläche gekommen die aussagen, daß beide Seiten damit begannen Verhandlungen über einen Vergleich zu führen. Diesen Geschichten wurde einiges Gewicht zuerkannt, aufgrund Nachrichten über einen Vergleich der Intel von seinem Kartellrechtsverfahren befreite. Am Dienstag jedoch gaben Microsoft-nahe Quellen an, daß es keine Gespräche zwischen Microsoft und dem Deparment of Justice (DOJ) gegeben hätte. Ein Informant der Regierung bestätigte was die Microsoft Quellen aussagten, und merkte auch gleich an, daß das DOJ keine besonders weitreichenden Angebote von Microsoft erwarte.
Dann hat das Wall Street Journal darüber berichtet, daß Microsoft bereits einen Teil ihres Anwaltsstabes damit beauftrage eine Strategie für das Berufungsverfahren auszuarbeiten. Dies wiederum bedeutet, daß die Firma zum einen nicht an einem Vergleich arbeitet und zum anderen erwartet das laufende Verfahren zu verlieren. Das Wall Street Journal berichtet, daß eine Berufung sich sehr wahrscheinlich darauf konzentrieren werde ob und wie Computerhersteller Voreinstellungen von Microsoft ändern, und es wird auch um eine Anordnung von 1984 gehen die mit den Sherman Kartellgesetzen (Sherman antitrust laws) zu tun haben.
Es gab letzte Woche auch eine eine Menge spekulation, daß Microsofts letzte Reorganization weniger dazu gedacht sei die Firma effizienter zu machen, als vielmehr dazu es schwieriger zu machen sie aufzusplitten. Ein 'integriertes' Microsoft so miteinander verwoben, daß es unmöglich würde eine Zerteilung vorzunehmen? Oder vielleicht würde es durch die Reorganization, wie andere Gerüchte sagten, für Microsoft leichter eine freiwillige Aufsplittung zu vollziehen, bevor es das Kartellrechtsverfahren verlangt. Dies würde einen Puffer schaffen, für die noch zu erwartenden Jahr 2000 Rechtsverfahren.
Inzwischen zurück in Washington DC, hat der Washingtoner Staatssenator Slade Gorton vorgeschlagen, das Budget der Kartellrechtsdivision innerhalb des Department of Justice zu beschneiden. Später in der Woche haben neun Senatoren einen Brief zum Komitee Gortons, das sich mit Budgetvergaben beschäftigt, geschickt in dem sie sagen, daß dies mit einem laufenden Verfahren im Konflikt steht. Der Senator aus Microsofts Heimatsstaat hat dann den Senat betreten und vorgeschlagen, daß die 6 wöchige Pause des Verfahren "permanent gemacht" werden solle.

Der frühere Besitzer von Linux.com, Fred van Kempen, sagte früher diesen Monat, er hätte von mehreren unerwarteten Firmen Angebote für die Rechte seines Domains bekommen, nachdem es 1998 zum Verkauf stand. Nicht nur der Linux Distro-Hersteller Red Hat hätte ein Angebot gemacht, sondern auch Novell, IBM, Digital (bevor es von Compaq aufgekauft wurde), Hewlett-Packard, Dell und kurioserweise Microsoft. Nach van Kempens Angaben war das Spitzenangebot jenseits der 8 Millionen Dollar Grenze, jedoch weigerte er sich anzugeben welche Firmen dieses Angebot gemacht hatten. Ein Microsoft Sprecher verneinte das Angebot für Linux.com. Er sagte es handle sich bei diesem Angebot wohl um eine Fälschung, da der Aufkauf von Linux.com "eine ziemlich dumme Sache wäre, wenn Microsoft ihn täte".

Aber es scheint gar nicht so verrückt zu sein, wenn man sich die nächste Meldung ansieht. Entsprechend gewisser Quellen, gibt es Pläne eine Linux Version von Office rauszubringen. Als er letzte Woche gefragt wurde ob irgendjemand innerhalb damit beschäftigt sei mit einem Port von Office nach Linux, gab der Präsident der Ofiice Gruppe Steve Sinofsky an, es wäre ihm nicht erlaubt darüber zu sprechen. Doch Entwickler ausserhalb der Firma behaupten es wäre mehr als nur eine fixe Idee, und Microsoft würde tatsächlich bereits an einem derartigen Port arbeiten. Dies hat einige zu Spekulationen veranlasst, daß Microsoft vielleicht plant sein Betriebssystemmonopol in ein Office Suite Monopol umzuwandeln. Vielleicht nach einer freiwilligen Aufsplittung [siehe Bericht oben]. Andere haben den Standpunkt eingenommen, Microsoft würde schon wieder ein nicht-existierendes Produkt vorankündigen um damit die Verkäufe der Konkurrenzprodukte der anderen Hersteller zu verzögern. Doch das ist das schöne an Linux - alle Office Suites die für dieses Betriebssystem bisher hergestellt wurden sind frei (ausser Applixware; Anm.d.Übers), was es für Microsoft wesentlich schwieriger macht einen Einfluß auf die Verkaufszahlen zu nehmen.

Microsofts Aktien haben einen leichten Einbruch erlitten, nachdem die Firma zugab, daß die Einnahmen für dieses Quartal deutlich unter den erwarteten liegen werden, was an der Verzögerung der Auslieferung von Office 2000 liegt. Office 2000 sollte ursprünglich diesen Monat verfügbar sein, doch Microsoft gab früher schon letzen Jahres zu, daß Juni oder Juli wohl eher der Realität entspricht. Die Verzögerung hat eine solch grosse Auswirkung auf Microsofts Einnahmen, da Office 97 und 98 wohl fast ein drittel von Microsofts Einkommen von 14.5 Milliarden Dollar (c.a. 26 Milliarden DM) im Fiscaljahr 1998 ausmachen.

Gegen Ende letzten Monat hat Microsoft heimlich ein Web-Kaufhaus wiederöffnet. Das Kaufhaus, ursprünglich Nitro genannt, war ende 1997 ins Leben gerufen worden um Microsoft Produkte über das Internet zu verkaufen, und auch um die E-Kommerz Fähigkeiten von Windows NT und SQL Server zu zeigen. Zu dieser Zeit erlaubte Microsoft ihren Kunden Produkte direkt von der Firma zu kaufen oder sich zu anderen Einzelhändlern durchzuklicken und Produkte von dort zu kaufen. Doch dieser Plan ging schief, als die teilnehmenden Onlinehändler gegen die Art und Weise protestierten, wie Microsoft mit deren Kommissionen und Kundeninformationen umging. Vier E-Kommerzhändler - Beyond.com, CompUSA, CDW and Insight - sind nun zu dem Projekt zurückgekehrt, nachdem Microsoft sich damit einverstanden erklärte die eigenen Preise um 10 bis 30 Prozent höher zu halten.

Während Bill Gates letzte Woche in China war, hat er mehrere neue Pläne bekanntgegeben, die die Internetverfügbarkeit erhöhen sollen und die Softwarepiraterie eindemmen sollen. Als erstes hat Gates das Venus Projekt enthüllt, eine Fernseh-Topbox die auf einer Version von Windows CE basiert und für den chinesischen Markt entwickelt wurde. Microsofts Ziel mit dem Venus Projekt ist einen Teil der 1 Milliarde Chinesen anzuzapfen, von denen nur 2.1 Millionen derzeit einen Internetzugang haben.
Gates unterschrieb auch einige Verträge mit der chinesischen Regierung, um staatseigenen Firmen zu helfen, das Internet zu nutzen. Ein Teil der Verträge haben zum Inhalt ein Informationssystem zu etablieren das auf Windows NT und SQL Server zurückgreift, damit die chinesische Regierung effizienter in Gebieten wie Informationabgleich und Bürgerverfolgung arbeiten kann.

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